konText – Lesekreis zu sozialistischer Theorie und Kritik

Kritik am Kapitalismus üben viele. Einige fühlen sich als Feministen und Antifaschisten. Um diesem Gefühl zum theoretischen Ausdruck zu verhelfen, wollen wir gemeinsam ausgewählte Texte zu einem gemeinsam bestimmten Themenkomplex lesen und kritisch diskutieren. Dabei kann es sich um aktuelle Debattenbeiträge zu Themen sozialistischer und linker Politik (beispielsweise Barbara Kirchners Essay Dämmermännerung) handeln aber auch um Klassiker von Rosa Luxemburg, Anton Pannekoek, Klara Zetkin oder Johannes Agnoli. Wenn ihr Texte kennt, die ihr schon immer einmal gemeinsam mit anderen lesen und diskutieren wolltet, dann bringt sie gerne in den Lesekreis ein. Seid ihr einfach interessiert an sozialistischer Theorie, an Kritik an den herrschenden Verhältnissen, dann kommt vorbei und bildet euch gemeinsam mit uns weiter.

Geplant ist bisher ein erstes Treffen am Donnerstag, den 23.11.2017 um 19:00 Uhr im „Unterhaus“ in unmittelbarer Nähe des Oberhausener Hauptbahnhofs (Ladenlokal von kitev, Hochhaus hinter Subway, Friedrich-Karl-Str. 4!). Wir entscheiden dann gemeinsam, welche Texte wir bei unseren folgenden Treffen lesen und wann sowie in welchem Turnus wir uns treffen werden. Über einen entsprechenden Verteiler halten wir euch via Mail auf dem Laufenden, welcher Text gerade im Lesekreis behandelt wird. So ist ein Wiedereinstieg jederzeit problemlos zu Beginn eines neuen Themas möglich.

Neben euren eigenen Vorschlägen werden wir zum ersten Treffen ebenfalls einige mögliche Aufsätze, Artikel und Essays mitbringen. Um den Einstieg nicht zu erschweren, sollten die Texte nicht allzu voraussetzungsreich sein.

Selbstverständlich werden wir für die nötigen Kopien, Snacks und Getränke sorgen. Die Teilnahme am Lesekreis ist kostenfrei, wir freuen uns über viele Interessierte!

Jetzt anmelden zur Winterschule 2017/2018!

Die Winterschule im Salvador-Allende-Haus (Oer-Erkenschwick) ist ein Ort für selbstbestimmtes Lernen. Es gibt viel Raum für Mitbestimmung, Spaß und Party!

In diesem Jahr beschäftigen wir uns – anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Oktoberrevolution von 1917 – mit dem Thema ‚Revolution‘. Dabei soll es sowohl um historische Fragen gehen, als auch um aktuelle Möglichkeiten und Wege den Kapitalismus abzuschaffen und eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Menschen ein Leben in Freiheit und Gleichheit führen können.

Dieses Jahr werden wir hierzu, anders als in der Vergangenheit, Workshops für Einsteiger*innen sowie Fortgeschrittene anbieten, außerdem wird es diesmal in beiden Workshop Phasen möglich sein zwischen inhaltsorientieren und methodenorientieren Workshops zu wählen. Außerdem wird es wie immer ein vielfältiges Kulturprogramm und viel Raum für eigene Angebote geben.

Teilnahmebeitrag: 50,- € / ab 16 Jahren / gemeinsame Anreise

Weitere Infos bei Facebook: https://www.facebook.com/events/728949667289844/

Anmeldeformular

Anmeldung für das folgende Seminar

Hiermit melde ich mich/mein Kind für die oben ausgewählte Veranstaltung an. Ich erkläre mich mit den allgemeinen Reisebedingungen der Falken einverstanden.
Ich/mein Kind darf an allen Veranstaltungen (wie Schwimmen, Ausflüge, etc.) teilnehmen. Ich weiß, dass diese Anmeldung verbindlich ist und ich den Teilnahmebeitrag auch bei Nichtteilnahme bezahlen muss, wenn ich mich nicht rechtzeitig wieder abmelde.

 

Am 15.11. kannst du mitentscheiden!

…denn wir machen ein großes Treffen (kompliziert gesagt: eine Beteiligungsveranstaltung), wo wir mit allen interessierten Jugendlichen über das neue Jugendhaus diskutieren wollen! Dabei geht es vor allen Dingen um die Gestaltung des Hauses: wie soll es aussehen? Was soll es im Außenbereich geben? Wie soll es drinnen aufgeteilt sein?

Treffpunkt am 15.11.: um 16:30 Uhr im und um das Café Jederman

Komm vorbei und bring dich ein!

Filmabend: Beyond the red lines – Systemwandel statt Klimawandel

Wir laden ein zum Filmabend:

Beyond the red lines – Systemwandel statt Klimawandel
Ein Film des Medienkollektivs cine rebelde

24.10.2017, 19:30 Uhr
UNTERHAUS (Friedrich-Karl-Str. 4, 46049 Oberhausen)

Ob im rheinischen Braunkohlegebiet, am Hafen von Amsterdam oder auf den Straßen von Paris während des Weltklimagipfels, die Kämpfe für Klimagerechtigkeit werden an immer mehr Fronten geführt. Beyond the red lines (Jenseits der roten Linien) ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung, die „Es reicht! Ende Gelände!“ sagt, zivilen Ungehorsam leistet und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft selber in die Hand nimmt.

90 Minuten * Original mehrsprachig mit deutschen Untertiteln

Eintritt frei – Spenden willkommen

Weitere Infos zum Film: http://www.beyondtheredlines.org


Der Filmabend ist der Teil der Kampagne des Bündnisses EndeGelände, welche während des UN-Klimagipfels auf die zerstörerischen Auswirkungen des Braunkohletagebaus aufmerksam machen und dagegen zu Aktionen des zivilen Ungehorsams aufrufen möchte.

 

Lesekreis Gesellschaftskritik ~reloaded~

Ab dem 11.10.2017 wollen wir uns wieder wöchentlich ab 19 Uhr im Ladenlokal von KiTeV („Unterhaus“) am Oberhausener Hbf mit der Lektüre von Marx‘ Kapital beschäftigen. Der Lesekreis ist dabei auch für Neu- und Wiedereinsteiger geeignet.

1. Organisatorisches

Im ersten Teil des Lesekreises hatten wir uns mit der Wertformanalyse des Kapitals befasst und uns den Übergang vom geldvermittelten Äquivalententausch zum Mehrwert als Problemaufriss angeschaut. Der zweite Teil wird genau hier einsetzen: bei Marx Erklärung des Mehrwerts. Wer hier nur Bahnhof versteht oder meint, nicht genügend Vorkenntnisse zu besitzen, um an dieser Stelle in die Lektüre des Kapitals einsteigen zu können, dem sei versichert, dass auch ohne die diffizilen Kenntnisse der Wertformanalyse und des Fetischcharakters der Ware, Marx Entwicklung des Mehrwerts nachvollziehbar und verständlich ist. Um die wesentlichen Voraussetzungen für eine gemeinsame Lektüre zu schaffen wird zudem in der ersten Sitzung auf die wichtigsten Konzepte einleitend eingegangen werden. Diese Einleitung führt dann organisch über zum grundlegenden Problem, das Marx‘ Theorie des Mehrwerts lösen muss. Von diesem Problem ausgehend wird dann unsere Lektüre beginnen, wobei wir gemeinsam diskutieren müssen, wie überzeugend Marx‘ Lösung ist.

Der Lesekreis soll auf freiwilliger Basis eine ungezwungene Aneignung linker kritischer Theorie ermöglichen. Vorkenntnisse sind dafür keinesfalls nötig. Die gemeinsame Erarbeitung des Textverständnisses steht im Vordergrund und wir werden versuchen Fragen an den Text zu beantworten und auch Schwierigkeiten mit dem Text zu lösen. Ein inhaltliches Protokoll unserer Treffen, das allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt wird, soll dabei die Anknüpfung an vergangene Treffen erleichtern. Auch wenn ihr es mal nicht zum Lesekreis schafft, ist dadurch sichergestellt, dass ihr ohne Schwierigkeiten wieder einsteigen könnt. Alle benötigten Texte stellen wir als Kopien zur Verfügung.

2. Inhaltliches

Dass auch 25 Jahre nach dem von Francis Fukuyama behaupteten Ende der Geschichte, das den Sieg eines alternativlosen Kapitalismus über den Sowjetsozialismus bezeichnen sollte, sich die gesellschaftlichen Konflikte noch längst nicht in Wohlgefallen aufgelöst haben, lässt sich nicht erst an der jüngsten ökonomischen Krise oder Trumps Präsidentschaft erkennen. Ökologisch fährt sich die kapitalistische Moderne in vollem Bewusstsein der Auswirkungen des Klimawandels vor die Wand. Und nicht bloß konnte der Kapitalismus das Elend des Hungers nicht lösen, Menschen verhungern heute ungeachtet einer nie gekannten Fülle an Lebensmitteln. Angesichts solcher sozialer Widersprüche und der weiter bestehenden großen Ungleichheit auf der Welt macht sich Kritik breit, die sich als Kapitalismuskritik beschreibt. Allzu oft wird dabei eine Rückkehr zur Natur propagiert, mindestens aber die ungeheure Verschwendung westlicher Gesellschaften angeprangert. Gier, so ist man sich einig, korrumpiert die Welt. Dabei sind unternehmerische Verantwortungslosigkeit und Gier, wie Paul Mattick Jr. gegenüber solchen Diagnosen feststellt, schwerlich neue Züge kapitalistischer Gesellschaften. Sie haben nicht einfach in den letzten Jahren plötzlich zugenommen. Vielmehr ist die ökonomische Krise ein Produkt derselben Mechanismen, die den unvergleichlichen kreditbasierten Aufschwung der letzten zwei Dekaden ermöglichten. (Vgl. Paul Mattick Jr., Business as Usual. The Economic Crisis and the Failure of Capitalism, London 2011, S. 8) Anstelle einer „Kritik“ von Eigenschaften, die einzelnen Subjekten anhaften wie Gier, muss eine Kritik des Kapitalismus treten, die die widersprüchlichen Phänomene der Moderne als Ausdruck eines basalen Widerspruchs in der ökonomischen Struktur kapitalistischer Vergesellschaftung entziffert. Sonst bleibt Kritik nichts anderes als die Forderung nach einer Neubesetzung gesellschaftlicher Funktionen, ohne zu sehen, dass diese Funktionen selbst das Problem darstellen. Radikale linke Kritik an der Gesellschaft ist niemals die an ihrem Personal, sondern an einer unvernünftigen Organisation gesellschaftlicher Verhältnisse. Einen grundlegenden Beitrag zu dieser radikalen Kritik hat Marx im Kapital geleistet. Gemeinsam wollen wir ihn uns erschließen und zugleich vergegenwärtigen, was die Radikalität einer solchen Form von Kritik ausmacht.

Einladung zum Themenabend SHCAMOTZRER

Armut grenzt aus – wer arm ist, wird ausgegrenzt. Wo, wenn nicht im Ruhrgebiet, kann dies leider täglich beobachtet werden? Doch was können wir tun? Marina Martin stellt als eine mögliche Antwort auf diese Frage das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens anhand von Ergebnissen aus ihren Studienarbeiten vor. Norbert Kozicki als langjähriger Kämpfer für die Interessen von Kindern und Jugendlichen beleuchtet den Zusammenhang von Kinderarmut und Bildungschancen. Gemeinsam wollen wir sehen, welche konkreten Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert und umgesetzt werden könnten. Wir freuen uns auf spannende Inputreferate mit anschließender Diskussion!

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist FREI. Komm vorbei und diskutier mit uns!

13.10.2017, Einlass ab 17:30 Uhr, Beginn 18:00 Uhr

„Unterhaus“, Friedrich-Karl-Straße 4, 46045 Oberhausen

Infos + Anmeldung: kontakt@falken-oberhausen.de

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kampagne „MENSCH-Wir stempeln euch ab!“

Sonntag? Familienfest!

Wir sind beim Familienfest der SPD im Kaisergarten vertreten – mit Caféteria, Spiel- und Bastelangebot für Kids und unserem Infostand. Kommt uns doch besuchen!

Grüße aus dem Zeltlager

Seit Sonntag sind wir in Blomberg auf unserem Zeltplatz – zwei Wochen Zeltlager sind angesagt!

Nachdem wir mit dem Bus angekommen waren (zum Glück gab es keinen Stau!), haben wir uns erstmal aufgeteilt in die Zeltgruppen. Dann konnten wir unsere Schlafzelte erst zusammen aufbauen – alle anderen Zelte standen schon – und dann gemütlich einrichten. Schließlich „wohnen“ wir dort die nächsten 14 Tage. Im Anschluss haben wir den Zeltplatz erkundet und uns sowie die anderen Helfer*innen besser kennengelernt.

Am Montag haben wir das tolle Wetter genutzt und sind zum Freibad gelaufen, wo wir einen schönen Tag verbracht haben. Einige Kids waren vorher auch noch in der „Stadt“: Eis essen und Kleinigkeiten besorgen. Blomberg ist zwar schon ziemlich alt, aber im Vergleich zu Oberhausen eher eine Kleinstadt. Nachdem wir alle aus dem Schwimmbad zurück waren, gab es den Eröffnungsabend. Bei dem haben wir nicht nur einiges über die Falken erfahren, sondern auch kleine Steckbriefe aller Leute im Zeltlager angefertigt und die Falkenfahne gehisst.

Gestern vormittag dann konnten sich alle aussuchen, was sie gerne machen wollten. Bei den sogenannten Neigungsgruppen waren manche Fußball spielen, andere haben mit Stencils und Sprühfarbe ihre Anziehsachen verschönert, den Kiosk („Konsum“) vorbereitet, Jonglieren geübt oder Tiere und Pflanzen auf dem Zeltplatz fotografiert und daraus ein Plakat gemacht. Nachmittags haben wir im Wald „Mad Tom“ gespielt – ein Waldspiel, was wir von unseren englischen Freund*innen des Woodcraft Folk kennen. Zum Abschluss des gestrigen Tages feuerten wir dann das erste Lagerfeuer an, bei dem wir Lieder gesungen und Stockbrot geröstet haben. Auch wenn nicht jeder Ton ganz richtig und nicht jedes Brot auf den Punkt genau gebacken war – das hat allen eine Menge Spaß gemacht und wird bestimmt bald wiederholt!

Heute gab es wieder Neigungsgruppen, aber nicht genau die gleichen wie gestern, sondern auch ein paar andere Angebote! Nachmittags konnten sich die Gruppen ein wenig darum kümmern, ihre Gemeinschaftszelte zu verschönern und „unter sich“ zu sein. Außerdem konnte, wer wollte, an einem Talentwettbewerb teilnehmen. Für heute Abend steht DISCO auf dem Programm, selbstverständlich mit lustigen Spielchen und – auf besonderen Wunsch – mit dem Angebot, Karaoke zu singen! Dazu gibt es im Konsumzelt Fruchtcocktails und für Tanzfaule auch Gesellschaftsspiele.

Für die nächsten Tage hat die Vollversammlung auch schon einige tolle Programmpunkte geplant: unter Anderem soll es eine Nachtwanderung, einen Ausschlaftag mit Frühstücksbuffet, ein Stadtspiel und ein Stützpunktlager geben. Wir halten euch bald wieder auf dem Laufenden!

Noch Restplätze frei im Sommerzeltlager! Jetzt anmelden!

Im Sommerzeltlager, das vom 13. bis 26. August auf unserem wunderschönen Jugendzeltplatz in Blomberg stattfindet, sind noch Restplätze frei!zeltenWir freuen uns über kurzentschlossenen Kids zwischen 6 und 14 Jahren – alle Infos und die Möglichkeit, sich jetzt einfach online anzumelden gibt es auf der Seite Zeltlager!

Zeit für Solidarität – Zeit für Demokratie und Aufklärung

[an dieser Stelle veröffentlichen wir den folgenden offenen Brief des Falken-Landesverbandes NRW zu den Geschehnissen rund um den legitimen Protest angesichts des G20-Gipfels in Hamburg]

Zeit für Solidarität – Zeit für Demokratie und Aufklärung

Offener Brief der SJD – Die Falken NRW zur 4-stündigen Gewahrsamnahme ihres Busses mit Minderjährigen und jungen Erwachsenen auf dem Weg zur Anti-G20 Demonstration

Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken (SJD – Die Falken) sind ein unabhängiger und selbstorganisierter, politischer und pädagogischer Kinder- und Jugendverband.

Unser Verband ist Teil der Arbeiter*innenjugendbewegung und aus der Selbstorganisation junger Arbeiter*innen entstanden. Seit 113 Jahren vertreten bei uns Kinder und Jugendliche ihre Rechte und Interessen selbst und kämpfen für eine andere Gesellschaft.

Unser Ziel ist eine Gesellschaft, die auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität gründet. Wir sind Mitglied des Landesjugendring NRW und in vielen Städten und Gemeinden vertreten.

Am 08.07.2017 organisierten wir einen Bus zur Großdemonstration „Grenzenlose Solidarität statt G20“ in Hamburg, um an den dortigen Demonstrationen gegen den Gipfel teilzunehmen. Auch in den Tagen vorher waren Freund*innen in Hamburg und haben sich am Gegengipfel, dem Schüler*innenstreik von „Jugend gegen G20“ und bei Akten des zivilen Ungehorsams (wie Streiks und Sitzblockaden) beteiligt.

In besagtem Bus saßen 44 junge Menschen (einige von ihnen minderjährig). Neben Falken waren dort auch Mitglieder der Grünen Jugend NRW, der DGB Gewerkschaften und der Alevitischen Jugend NRW anwesend. Unsere Anreise war über das Bündnis „Jugend gegen G20“ in Hamburg offiziell bei der Polizei und dem ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof Hamburg) angekündigt.

Ab ca. 7.00 Uhr wurde unser Bus von mehreren Polizeiwagen eskortiert, die verhinderten, dass wir von der Autobahn abfuhren. Erst gegen 7.45 Uhr wurden wir auf einen Rasthof unmittelbar vor Hamburg geleitet.

Vor Ort standen ca. 30 Polizist*Innen die sich ihre Schutzausrüstung anzogen und den Bus umstellten. Uns wurde mitgeteilt, dass in Kürze weitere Kräfte hinzukommen, die unseren Bus durchsuchen würden.

Einige Zeit später tauchten 50 BFE’ler*innen (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten) auf, die in voller Montur die vorherigen Polizist*innen ablösten. Sie setzten ihre Helme auf und zogen sich Handschuhe an. Einzelne BFE’ler machten Drohgebärden in Richtung unserer Jugendlichen. Der Einsatzleiter stellte klar, dass von uns „ab sofort keine hektischen Bewegungen mehr durchzuführen“ seien. Sowohl in dem Moment, aber auch später blieben alle jungen Menschen ruhig und besonnen, trotz dieses massiven, einschüchternden Aufgebotes.

Einige Zeit verging, ohne dass etwas passierte. Schließlich teilte uns der Einsatzleiter mit, dass wir nun in ein „gesichertes Objekt“ gebracht würden, um dort unsere Personalien aufzunehmen und uns zu durchsuchen. Danach könnten wir dann „möglicherweise zur Demonstration weiter“. Das BFE stieg bewaffnet und vermummt in unseren Bus und verließ den Bus später nur im Austausch gegen andere BFE’ler*innen.

Wir wurden erneut in einer Eskorte von ca. 10 Polizeifahrzeugen zu einem uns nicht bekannten Ort gebracht. Erst kurz vor der Einfahrt erkannten wir, dass es sich um die Gefangenensammelstelle (GeSa) in Hamburg-Harburg handelte.

In der GeSa angekommen wurden wir einzeln nacheinander heraus gebeten, und wurden durchsucht. Dabei war die Behandlung sehr unterschiedlich. Einige wurden neutral behandelt – andere wurden geschlagen, mit ihren Händen auf dem Rücken abgeführt oder ihnen wurden Handschellen angedroht. Einige der Jugendlichen mussten sich komplett nackt ausziehen (andere bis auf die Unterwäsche) und wurden dann intensiv abgetastet. Bei den WC-Gängen mussten bei allen die Türen offen bleiben. Der Hinweis, dass wir Minderjährige im Bus haben, ein Jugendverband sind und zu einer angemeldeten Demonstration wollten spielte dabei keine Rolle.

Während der gesamten Prozedur wurde uns nicht klar gesagt, was mit uns passieren soll. Die Aussagen der Polizei gegenüber den Abgeführten reichten von „Ihr dürft bald weiter fahren“, „Ihr bleibt in der GeSa bis morgen Abend“, bis „Ihr werdet nun dem Haftrichter vorgeführt“. Scheinbar hatten alle Polizist*innen andere Informationen. Den Jugendlichen im Bus wurde jegliche Information verweigert.

Obwohl unseren Jugendlichen in Gewahrsam ein Anruf (und den Minderjährigen sogar zwei) zugestanden hätte, wurde dieser nicht gewährt. Kontakt zu Anwält*innen konnten nur diejenigen herstellen, die noch im Bus saßen. Bis die Polizei den im Bus sitzenden allerdings endlich sagte, dass gerade der gesamte Bus in Gewahrsam genommen wird, saß bereits ein Drittel unserer Freund*innen in den Zellen.

Nachdem etwa die Hälfte der Jugendlichen abgeführt worden war, änderte sich das Verfahren schlagartig. Die Verbleibenden wurden weder durchsucht, noch wurden ihre Personalien kontrolliert. Nach jeweils einem kurzen Gespräch mit einem Polizisten wurden sie alle wieder zurück in den Bus geschickt, dabei sollte zunächst jeder auf einen einzelnen Doppelsitz und auch die Kommunikation untereinander war nur bedingt erlaubt. Nach ein bis zwei Stunden wurden die Anderen nach und nach entlassen und bekamen ihre Sachen zurück. Gegen 12.20 Uhr waren endlich alle wieder im Bus und wir konnten los zur Demonstration, die bereits um 11 Uhr begonnen hatte. Die Stimmung war trotz dieser Behandlung entschlossen, solidarisch und friedlich.

Wir sind aktuell in Kontakt mit Anwält*innen, die uns beraten, ob und inwiefern wir juristisch vorgehen können.

Erst im Nachhinein und in den vergangenen Tagen berichteten unsere Jugendlichen über ihre Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und der Einschüchterung, der sie ausgesetzt waren. Einige von ihnen brauchen aktuell psychologische Unterstützung. Wir stehen natürlich auch in engem Kontakt mit ihnen und versuchen sie zu unterstützen, wo es möglich ist.

Neben dieser akuten Erfahrung sind für viele die Reaktionen im Internet, Medien und in ihrem Umfeld (Schule, Betrieb und Familie) belastend. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie selbst Schuld seien, wenn sie gegen den G20-Gipfel demonstrieren und, dass solch ein Verfahren notwendig und legitim sei, um für die Sicherheit des G20-Gipfels zu sorgen.

Für uns ist aber klar: Jugendliche, die in einem angemeldeten Bus zu einer angemeldeten Demonstration fahren, ohne Grund vier Stunden lang darin zu hindern, kann und darf nicht legitim und normal sein. Wir wollten gegen Krieg, Armut und Kapitalismus demonstrieren – dagegen dass die meisten von der Politik der G20 Betroffenen dort kein Wort mitreden können. Wir haben nicht und werden niemals schweigend zusehen, wie Diktatoren, die in ihren Ländern die Opposition unterdrücken, Menschen mit unliebsamer Meinung einsperren und Minderheiten verfolgen, in Hamburg – oder anderswo – hofiert werden.

Unser Protest ist legitim und demokratisch – anders als die faktische Aufhebung der Gewaltenteilung letztes Wochenende in Hamburg. Neben unserer in Gewahrsamnahme, gab es weitere ähnliche Fälle. Außerdem gab es Einschränkungen der Pressefreiheit, Demonstrationsverbote auf insgesamt 40 km², Behinderung der Arbeit von Rechtsanwält*innen (namentlich dem RAV), Versuche den Demonstrierenden erst gerichtlich die Camps zu verbieten, und sie anschließend trotz gerichtlicher Genehmigung zu räumen, einen generellen Verdacht gegen alle Demonstrant*innen, eine Ignoranz der Unschuldsvermutung und generell vollkommen unverhältnismäßige Eingriffe.

All dies wird von uns klar als Repression gegen unser politisches Engagement wahrgenommen. Klar ist aber auch: wir lassen uns trotzdem nicht einschüchtern! Gerade jetzt machen wir weiter und werden demonstrieren, uns organisieren und bilden. Das bedeutet für uns konkret, dass wir eine solidarische Debatte in der linken Bewegung brauchen, wie wir mit dem vergangenen Wochenende in Hamburg umgehen und wie wir weiter machen.

Wir gehen weiter auf die Straße, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen. Dafür braucht es aber eine Polizei, Politik und Justiz, die berechenbar ist und auf dem Boden der Gesetze arbeitet.

Jetzt braucht es klare Solidarität von unseren Freund*Innen und Verbündeten, die dieses Vorgehen der Polizei kritisieren, uns den Rücken stärken und sich gegen den Abbau von demokratischen Rechten aussprechen!

Freundschaft!

Paul M. Erzkamp, Landesvorsitzender SJD – Die Falken, LV NRW,

12.07.2017

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